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Premium im Vormarsch

Freitag, 02. November 2018
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Zwar ist für den LEH der Preiseinstieg im Wein- und Sektregal nach wie vor ein starker Umsatzträger, das Wachstum findet jedoch in den höheren Preislagen statt. Der Markt und die aktuellen Trends. 

Zwar ist für den Lebensmittelhandel der Preiseinstieg im Wein- und Sektregal nach wie vor ein starker Umsatzträger, das Wachstum findet aber in den höheren Preislagen statt. Der Markt und seine Trends.

Im Weinmarkt findet das Wachstum in den höheren Preislagen statt. Im ersten Halbjahr 2018 ist das Billigpreissegment unter zwei Euro zugunsten höherpreisiger Weine geschrumpft, wie die Zahlen von Nielsen zeigen. «Man könnte sagen, die Deutschen konsumieren relativ identische Gesamtmengen Wein, gönnen sich aber vermehrt gehobenere Qualitäten», kommentiert Markus Hotze, Geschäftsführer von Eggers & Franke, diese Entwicklung. Unterstrichen wird dieser Trend laut Hotze durch das wachsende Geschäft mit Premiumwein aus Deutschland, aber auch klassischen Herkünften wie Rioja, Bordeaux oder die Toskana. 

Wunsch nach Regionalität

Prinzipiell gehen bei Wein und Sekt die Nachfragetrends mit den allgemeinen Konsumtrends einher. Dazu zählen laut Björn Ritter, Brand Manager bei Reh Kendermann, ein bewusster Konsum sowie der Wunsch nach Ursprünglichkeit und Regionalität. Und wie bei anderen Sortimenten auch erwarten die Verbraucher im LEH eine Range an Wein und Sekt in unterschiedlichen Preislagen. «Es gibt sowohl die Konsumenten, die erstklassige Premiumweine suchen, als auch die, die qualitativ hochwertige Weine für ein bisschen weniger Geld schätzen», heisst es beim Badischen Winzerkeller. Man stelle seit Jahren einen Trend zu unkompliziert ausgebauten Weinen fest, die gute Essensbegleiter sind und auch bei anderen Gelegenheiten «Sonne ins Glas bringen» – ob bei einer Feier oder einem gemütlichen Umtrunk auf der Terrasse. Besonders beliebt sind laut Winzerkeller die eigenen Burgundersorten: Spätburgunder Rotwein, Grauer Burgunder oder Weisser Burgunder. Hier erfreue sich insbesondere «Martin Schongauer», Badens bekannteste Weinmarke, grosser Nachfrage.

Den Konsumenten sei auch bei Wein und Sekt wichtig zu wissen, was sie konsumieren und woher das Produkt kommt, sagt Björn Ritter von Reh Kendermann. «Je einfacher und glaubwürdiger das nachzuvollziehen ist, desto besser funktioniert das Produkt. Die Konsumenten wünschen sich Produkte, die authentisch sind.» In diesem Zuge seien die Themen «Bio» und «Nachhaltigkeit» nach wie vor aktuelle Themen, die im Einklang mit bewusstem Konsum stehen. Diese werden deshalb auch mehr und mehr im Bereich Wein und Sekt bedient, und immer häufiger wird der Gedanke der Nachhaltigkeit auch optisch direkt am Produkt mit nachvollziehbaren und standardisierten Siegeln – etwa Fairtrade und Bio-Siegeln – unterstrichen. Dass «prägnante, einfallsreiche und kreative Etiketten sowie hochwertige Ausstattungen» ein aktuelles Thema sind, betont auch Johanna Neumeister von der Mack & Schühle AG.

Rosé ganzjährig nachgefragt

Auf Rosé sollte der LEH ebenfalls ein Augenmerk haben, denn hier besteht eine besondere Nachfrage – und zwar nicht mehr als Saison-, sondern als Ganzjahresprodukt, wie die Mack & Schühle AG betont. Als eine weitere «spannende Entwicklung» sieht das Unternehmen autochtone internationale Rebsorten wie zum Beispiel Falanghina oder Malbec. 

Auch auf dem deutschen Sektmarkt ist Premium im Vormarsch. «Qualität und Finesse sind dem Verbraucher wichtig, und damit einher geht der Wunsch nach hochwertigen Produkten», so Jan Rock, Pressesprecher der Henkell & Co.-Gruppe. Davon profitiere insbesondere der deutsche Rebsorten-Sekt «Fürst von Metternich», der nach Worten von Jan Rock mit kontinuierlicher TV-Werbung und zahlreichen kommunikativen Aktivitäten zur guten Premiumentwicklung aktiv beiträgt. Im Premiummarkt ist das Haus Henkell & Co. Nach eigenen Angaben mit über 50 Prozent «klarer Marktführer». Ebenfalls gefragt sind Prosecco-Spumante und Crémant, und auch diese tragen zur Premiuimisierung des Marktes bei. 

Alkoholfreier Sekt ein Wachstumstreiber

Zu den Wachstumstreibern gehört alkoholfreier Sekt. Der ist zwar bereits seit annähernd 40 Jahren erhältlich, hat sich aber erst in den letzten Jahren zu einem echten Trend entwickelt, der anhält und per Juli 2018 ein Absatzplus von 6,6 Prozent (Nielsen) erreichte. 

Darüber hinaus wünschen sich Konsumenten zunehmend Weine mit moderatem Alkoholgehalt. «Wir beobachten seit längerem einen starken Trend zu Wein mit geringerem Alkoholgehalt», bestätigt man bei VOG Deutschland. Mit dem Trend zu weniger Alkohol geht einher, dass fruchtig-unkomplizierte Weine gefragt sind. Björn Ritter von Reh Kendermann sieht darin einen Heimvorteil für deutsche Winzer: «Deutschland als Cool-Climate-Region passt da glücklicherweise genau ins Profil und bietet bei vergleichsweise geringen Alkoholgehalten im internationalen Vergleich ein aromatisch-vielfältiges Spektrum an Weinen.»

 

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Die Trends im Wein- und Sektmarkt aus Sicht der Winzer und Kellereien

  • Markus Hotze, Eggers & Franke: «Rosé- und auch Weissweine konnten, getrieben durch den Jahrhundert-Sommer, erheblich zulegen.»
  • Jan Rock, Henkell & Co.: «Wir sehen in dem Markt für alkoholfreie Sekte noch deutliches Wachstumspotential. Gleichwohl handelt es sich hierbei eher um ein ergänzendes Geschäft.»
  • Johanna Neumeister, Mack & Schühle AG: «Wachsende Premium-Segmente zeigen ein steigendes Qualitätsbewusstsein und die Bereitschaft, weniger, aber hochpreisiger zu konsumieren.»
  • Matthias Willkomm, Peter Mertes KG: «Mit einer Sortimentserweiterung um Premium-Weine kann sich der Handel gegenüber dem Endverbraucher gut als Weinexperte profilieren.»
  • Björn Ritter, Reh Kendermann: «Im Trend liegen Weine mit einem klaren Profil und einer Geschichte hinter dem Produkt. Die Konsumenten wünschen sich Produkte, die authentisch sind. »
  • Wiebke Bergmann, VOG Deutschland: «Wir beobachten seit längerem einen starken Trend zu Wein mit geringerem Alkoholgehalt.»

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Veganer Wein, eine Definition

Beim Anbau der Trauben in den Weinbergen gibt es keinen Unterschied zwischen konventionell und vegan hergestellten Weinen. Erst im Keller greift der vegan arbeitende Winzer zu alternativen Mitteln oder Methoden.

Schon seit vielen Hundert Jahren verwenden Winzer tierische Produkte wie beispielsweise Eiklar oder mittlerweile auch Gelatine, um den Wein zu klären. Dabei verbindet sich das Eiweiss mit den Trübstoffen im Wein und setzt sich anschließend am Fassboden ab. Anschließend wird der klare Wein abgezogen, von dem tierischen Produkt bleibt so gut wie nichts im Wein zurück. Als positiver Nebeneffekt findet neben der Klärung auch eine Harmonisierung der Gerbstoffstruktur statt.

Bei der Herstellung von veganen Weinen werden die tierischen Stoffe durch ein pflanzliches Protein ersetzt, das aus Erbsen, Bohnen oder Kartoffelstärke gewonnen wurde. Geschmacklich macht dies keinen Unterschied. Die Produktion veganer Weine ist auch nicht kostspieliger als die von konventionellen Weinen, und sie müssen nicht unbedingt nach ökologischen Kriterien erzeugt worden sein. Allerdings lässt sich feststellen, dass die Käufer dieser Weine oftmals darauf achten, dass die Weine nicht nur vegan, sondern auch ökologisch hergestellt wurden. Manche Veganer legen sogar Wert darauf, dass auch die Etiketten auf den Flaschen nur mit Leim auf pflanzlicher Basis und nicht etwa mit Knochenleim verklebt sind.

 

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Schlumberger wächst zweistellig

«Wir blicken bei Schlumberger Sparkling auf ein sehr erfolgreiches erstes Halbjahr 2018 zurück», sagt Rudolf Knickenberg, CEO der Schlumberger Vertriebsgesellschaft. Von Januar bis August 2018 konnte mit dem gesamten Sortiment ein Mengenwachstum von 26,3 Prozent erzielt werden. Knickenberg führt das unter anderem darauf zurück, dass «Schlumberger Sparkling Brut», Jahrgang 2013, von der Stiftung Warentest mit der Bestnote 1,0 ausgezeichnet wurde. Die Auswertung von Stiftung Warentest habe gezeigt, dass beim sensorischen Vergleich – also bei Aussehen, Geruch, Geschmack und Mundgefühl – die Markenprodukte im Schnitt besser abschneiden als die Handelsmarken. «Gerade bei einem Genussprodukt wie Sekt spielt genau dieser Faktor natürlich eine entscheidende Rolle bei der Kaufentscheidung», so Knickenberg.

 

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Die Trends in der DACH-Region

Deutschland
Nach Recherchen der Mintel-Marktforschung werden Weine in Deutschland zunehmend als «Premium vermarktet», ein hoher Prozentsatz ist zudem umweltfreundlich, bio oder vegan. Von den in Deutschland 2017 neu auf den Markt gekommene Weine, die auch in Deutschland produziert wurden, waren 18 % bio, 17 % vegan, 13 % umweltfreundlich und 7 % Premium.

Schweiz
Entsprechend der Tendenz der Vorjahre haben die Schweizer auch 2017 weniger Wein getrunken. Nach Berechnungen des Bundesamtes für Landwirtschaft BLW wurden rund 249 Mio. Liter Wein konsumiert, 4 Mio. Liter (–1,6 %) weniger als 2016. Der Konsum von Schweizer Weinen reduzierte sich um 2,2 Mio. Liter auf knapp 87 Mio. Liter (–2,5 %). Der Konsum von ausländischen Weinen ist um gut 1,8 Mio. Liter auf knapp 163 Mio. Liter (–1,1 %) gesunken. Der Marktanteil von Schweizer Wein liegt gleichbleibend bei rund 35 %.

Österreich
Im Bilanzjahr 2016/2017 betrug der Weinkonsum in Österreich 230 Mio. Liter, wie die «Versorgungsbilanz Statistik Austria ausweist». Das entspricht einem Rückgang von 2,4 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Grossteil (57,8%) wurde in der Gastronomie oder auf Events konsumiert. Weitere 91 Mio. Liter (37,2%) wurden in österreichischen Haushalten konsumiert. Davon können 71 Mio. Liter (78,4%) Einkäufen im LEH zugeordnet werden. Etwa 12,2 Mio. Liter (5%) wurden von Touristen eingekauft.

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Die Kellerei hat eine neue Dachmarkenlinie kreiert: die «Sonnenweine». Das Sortiment umfasst fünf Premiumweine, darunter einen Spätburgunder Rotwein Trocken. Alle sind vegane Weine.

VOG

DAC («Districtus Austriae Controllatus») ist Österreichs kontrollierte Herkunftsbezeichnung. Lenz Moser Kremstal DAC Grüner Veltliner findet im Kremstal ideale Bedingungen.

Ab sofort verfügen alle Landlust-Weine über ein Etikett mit Augmented-Reality-Technologie, die per App auf dem Handy einen Film aktiviert und den Konsumenten zu weiteren Interaktionen auf der Akt